Im Land der Mondorchidee


Eine junge ängstliche Frau wird vor der Abreise nach Java von ihrem Mann stehen gelassen. Alleine und ohne Geld kann sie nicht mehr tun als die Reise abwarten und auf das Waisenhaus in Java hoffen. Doch angekommen steht sie nur vor einer Ruine.

1880: Die junge Neele wächst als Waise auf. Nachdem ihr Vater früh verstarb, erschoss sich ihre Mutter an seinem Sterbebett. Doch es umgibt sich ein seltsames Geheimnis um diese Frau die ihr Vater nach einer Reise vor Jahren seiner Verwandtschaft als seine Ehegattin vorstellte und ein Kind als das seine ausgab. Niemand zweifelte offen an der Geschichte des gut statuierten Mannes doch hinter vorgehaltener Hand gingen schon immer Gerüchte rum. Eines dieser Tuscheleien erreichte Neele erst kurz vor ihrer Abreise nach Java. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie nichts tun als ihrem Gatten auf ein Schiff und in eine ungewisse Zukunft zu folgen. Doch auf dem Schiff angekommen ist ihr Ehemann verschwunden. Nur ihre Mitreisenden aus dem Dorf, ein junges Geschwisterpärchen, geben ihr halt. In Java angekommen stellen die Drei fest dass das Anwesen des Pastor ein verwahrlostes verlassenes Haus ist. Durch die Hilfe des Amtmannes Dr. Bessmer und seines einheimischen Amtskollegen Ameya fassen die Drei festen Boden in dem fremden Land. Doch als ein Brief aus Deutschland kommt ändert sich für Neeles weißes Leben einiges. Sie wird trotz ihrer weißen Hautfarbe ausgeschlossen und diskriminiert. Doch es gibt dennoch einige Männer die Interesse an ihr haben. So begehren der trunksüchtige Richard, ihr Freund aus Kindertagen der ihr nach Java gefolgt ist und Ameya. Diese Kombination aus reich, arm und dunkel wird noch tödliche Folgen haben.

Ausbau Potenzial

Mit dem Buch "Die Tränen des Mangrovenbaums" hatte Anne de Witt für mich bewiesen das sie gute und eindrucksvolle Geschichten erzählen kann und ihre Leser mit in ein fernes Land nehmen. Zwar gab es auch in diesem Buch Schwachstellen, aber die waren lange nicht so groß wie hier "Im Land der Mondorchidee". Schon nach den ersten beiden Seiten fragt man sich ob die Autorin ihre eigenen Protagonisten nicht auseinander halten kann oder ob man viel Fantasie aufbringen muss um ihren Gedankengang ansatzweise zu verfolgen. Für viele ist das schon ein Grund gewesen das Buch gleich wieder wegzulegen - ich hab mich durchgekämpft. Und wenn ich nur auf die Geschichte die vermittelt werden soll blicke kann ich sagen das sie doch recht schön ist. Doch ganz klar hängt der Lesefluss bei dieser seltsamen und lückenhaften Art zu schreiben. Zeitangaben lässt man sehr missen und wenn sie auftauchen fragt man sich wie das sein kann. In einem Dreivierteljahr, wie die Autorin selbst schreibt, ist die junge Neele von Deutschland nach Java gereist, hat dort im Mai ein Kind bekommen, rang einige Zeit was mit dem Kind passieren soll, zwei Hochzeiten wurden gefeiert im größeren Abstand, ein Mordversuch wurde verübt, Genesungszeit von mehreren Wochen wurde geschildert, ein weiterer Mordversuch ausgeübt, eine Krankheit musste kuriert werden über Wochen, ein Gefängnisaufenthalt geschildert und dann ging es auch schon zurück nach Deutschland. Da fragt man sich wie (großzügig runter addiert) mindestens 12 Wochen in 2 Monate passen. Denn nach der Überfahrt die zur damaligen Zeit gut 5-6 Wochen dauerte war sie im Juli des selben Jahres wieder in Deutschland mit allem erlebten was oben aufgezählt wurde. Auch andere Dinge die im Buch geschahen waren sehr schwammig erzählt. Gerade die Gefühlslagen der Protagonisten die ständig eine seltsame Wendung machten erschienen eher surreal. Es erweckte einfach den Eindruck das man den Charakter einer Person jetzt umschreiben muss, weil es anders sich schlecht in die Geschichte fügt. Dieser Roman wohl geeignet, wenn man keinen Anspruch auf geschichtliche Richtigkeit legt und nur grob unterhalten möchte. Die Geschichte ist nett, aber für mich kein Grund das Buch ausdrücklich weiterzuempfehlen.


Singapur

Ein Leben mit selbstbestimmten Frauen ist nicht einfach