Das Lied des Kolibris


Lua ist die persönliche Sklavin der reichen Tochter des Hauses. Sie genießt als Haussklavin einige Privilegien und sieht sich dadurch in der Hierarchie über den Feldsklaven. Doch als ein neuer Feldsklave auf der Plantage eintrifft überschlagen sich Luas Gefühle. Der Kerl mit seinem Drang zur Feiheit und die alte Imaculada bringen Lua nur Schwierigkeiten...

Die junge Haussklavin Lua ist in Bahia geboren. Sie kennt so wie fast alle Sklaven ihre Eltern nicht. Diese Wurzelosigkeit ist von den Weißen gezielt beabsichtigt um den Zusammenhalt unter den Schwarzen zu schwächen und heidischen afikanischen Traditionen oder Bräuchen Einhalt zu gebieten. Diese sind sowieso den Afrikanern verboten, sowie ihre Sprache zu sprechen. Völlig entwurzelt wundert es nicht das Menschen, wie die alte Imaculada, die noch mit einem Sklavenschiff von Afrika kam gemieden werden. Die alte Frau wird für eine senile Hexe gehalten, verbirgt aber nur unter dem Schein ihren recht wachen Geist. Als sie eines Tages auf Lua zu geht um sie um etwas zu bitten ist diese erst starr vor Angst. Imaculada bittet sie nämlich ihre Geschichte aufzuschreiben. Lua kann zwar Schreiben und Lesen, aber das weis eigentlich niemand, denn Sklaven ist es Verboten diese Fertigkeiten zu besitzen. 

Lua wächst gemeinsam mit der Tochter des Hauses auf. Die reiche Plantagentochter Eulalia wirkt zwar auf alle verwöhnt und herablassend, aber eigentlich sind ihre Ansichten gar nicht so übel und ihr benehmen doch auch nachvollziehbar. Wie damals üblich leben Frauen auf Plantagen sehr abgeschieden und ohne großen Kontakt zu anderen Menschen. Daher sieht Eulalia Lua zwar als ihre Sklavin aber im entferntesten Sinne auch als Freundin. In Eulalias Lehrstunden war Lua immer wie ein Schatten anwesend und lernte so die ihr so verbotenen Fertigkeiten. 

Das Leben von Lua ist für eine Sklavin als gut zu beschreiben. Sie muss als Haussklavin leichteren Tätigkeiten nachgehen als Feldsklaven. Zudem haben Haussklaven einige Privilegien, weshalb sie sich auch über den Feldsklaven sehen. Lua teilt diese Einstellung und auch die alte Imaculada macht ihr mit ihren Geschichten Angst. Zuerst fällt es Lua schwer der Bitte der alten Frau nachzugehen, bis sie doch ganz fasziniert von der Geschichte ist. Als dann ein junger Sklave neu auf der Plantage eintrifft, ist Lua hin und weg. Der Mann ist schön und wirkt so stolz, dass sie nicht anders kann als ihn näher kennenzulernen. Doch ihre Begeisterung für den Sklaven Ze lässt schnell nach als sie erkennt das er nur auf Flucht und der damit verbundenen Freiheit aus ist. Lua ist glücklich mit ihrem Leben und will mit einem Mann der nur Unruhe bringt nichts zu tun haben. Doch als Ze versucht zu fliehen und dabei gefasst wird nimmt sich Lua doch seiner an und sorgt dafür das sie selbst das Misstrauen der Herrschaft auf sich zieht.

Junge Sklaven, ein Lebensweg voller Unglücke, ein Dorf das Glück bringen soll und viele Kinder die ohne Eltern aufwachsenen müssen. 

So könnte man zusammengefasst das Buch beschreiben, aber auch Glück, Sinnlichkeit und Abenteuer finden in der Geschichte Platz.

Ana Veloso und "Das Lied des Kolibris" erzählen von einer sinnlichen wie abenteuerlichen Reise von Sklaven die sich gegen Entscheidungen ihrer Herren auflehnen. Das Leben und die Ansichten der Sklaven wird eindruckvoll wiedergegeben und zeigt so sehr deutlich die schlimme Haltung von Sklaven. Bücher wie "Die Insel der tausend Quellen" oder "Im Land der Orangenblüten" geben zwar auch gute Einblicke, zeigen allerdings alles aus der Sicht der reichen Plantagenbesitzern. Ana Veloso nimmt sich in ihren Büchern anderen Blickwinkeln an und schafft es so einen zu fesseln. Alle Charaktere sind gut und komplex gestaltet. Man lernt das Wesen der Einzehlen nämlich erst mit der Geschichte kennen und kann sich so wie bei echten Menschen einen eigenen Eindruck schaffen. Eulalia beispielsweise, wird erst als sehr harsch gegenübern den Sklaven dargestellt. Wenn man dann allerdings betrachtet wie ihre Familie mit ihr umgeht und welche Stellung sie zu Menschen nimmt wenn es drauf ankommt, sieht man das sie nicht nur reich und verwöhnt ist, sondern ein Mensch von Charakterstärke. Lua wiederrum könnte als sehr schwierig beschrieben werden, denn sie ist aufgeschlossen wie auch sehr verschlossen. Und Ze ist einfach als sehr gebeutelt und somit als voreingenommen gegenüber allen Weißen zu beschreiben. Doch ganz kann man die Beurteilungen auch nicht stehen lassen. Ihr solltet euch euer eigenes Bild machen und mir diese vielleicht mitteilen. Alles in allem ist die Geschichte abwechslungsreich und durch die andere Sicht sehr interessant und empfehlenswert für alle die mehr vom Leben der Sklaven erfahren wollen dazu aber nicht nur Sachbücher stöbern wollen. 

Zu guter Letzte möchte ich noch auf die Geschichte von Imaculada eingehen. Wenn man sich Zeit nimmt und über das was der Frau passiert ist nachdenkt und dann mit einbezieht das so oder so ähnlich es wohl vielen ergangen ist, wird einem die Grausamkeit der Sklavenhaltung erst richtig deutlich.


Zwischen den Zeiten

Hawaii näher gebracht